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Cellulite

 

 

Cellulite
Ein biologisches Überlebens-Programm

 
Über glatte Oberschenkel, einen wohlgeformten Po und einen straffer Bauch freut sich nur jede fünfte Frau. Dem Rest verderben unschöne Hautdellen die Freude an Bikini und Minirock. Woher kommt „Orangenhaut“?

Die unschön-wellige „Orangenhaut“ an Oberschenkeln und Po entsteht durch eine typisch weibliche Fettverteilung im Hautgewebe. Männer bleiben in der Regel verschont. Eine pure Ungerechtigkeit der Natur? Keineswegs: Eigentlich verbirgt sich hinter der heute als Cellulite und früher als Zellulitis bezeichneten „Zellveränderung des Bindegewebes“ eine sinnvolle Einrichtung der Natur. Weil Frauen während Schwangerschaft und Stillzeit besondere Energiereserven brauchen, besitzen sie mehr Fettspeicher als Männer. Vor allem um Hüften, Po und Oberschenkel lagern zusätzliche Fettzellen. Weibliche Hormone sorgen zudem dafür, dass der Fetteinbau leichter vonstatten geht als der -abbau.


Kosmetischer Problemfall
In Zeiten des Überflusses entwickelt sich das ausgetüftelte Überlebenskonzept zum kosmetischen Problemfall. Alljährlich, wenn mit steigenden Temperaturen Bauch und Beine in den Blickpunkt geraten, sagen Millionen Frauen – unterstützt von Zeitschriften und Kosmetikindustrie – den ungeliebten Fettpölsterchen den Kampf an. An Tipps mangelt es nicht: Mal soll Massage helfen, mal Creme, mal Elektrostimulation oder Wärme. Doch so einfach ist das biologische Überlebensprogramm nicht auszutricksen. Mit Ausdauer und Disziplin lässt sich das Hautbild jedoch verbessern.


Prozess in der Unterhaut
Was sich als Dellen und Wölbungen auf der Oberfläche präsentiert, entsteht in der tiefsten Schicht der Haut – der Subcutis oder Unterhaut. Diese besteht aus lockerem, mit Fettzellen und Fasern durchzogenem Bindegewebe. Damit sich die Haut bei einer Schwangerschaft problemlos ausdehnen kann, sind die einzelnen Stränge nur locker vernetzt. Dazwischen ballen sich die Fettzellen traubenförmig zusammen. Je mehr Fett sie speichern und an Größe zunehmen, desto weniger Widerstand kann das Bindegewebe bieten. Unter dem dauernden Druck der prall gefüllten Zellklumpen erschlaffen die Fasern, einzelne Gewebestränge verdicken sich oder werden dünner. Im Extremfall können sie sogar reißen. Teils drücken die prallen Fettzellen wie kleine Ballons nach oben, teils werden sie von den unelastischen und verdickten Bindegewebssträngen zusammengepresst. Und auf der Haut erscheint das typische genoppte Muster. Die prall gefüllten Fettspeicher bringen aber auch den Zellstoffwechsel durcheinander. Sie bedrängen die feinen Blut- und Lymphgefäße. Damit behindern sie die Versorgung mit Nährstoffen und den Abtransport von Abbauprodukten.


Bindegewebsschwäche
Schlank zu sein schützt nur bedingt vor Cellulite. Frauen mit einer ererbten Bindegewebsschwäche oder gute Futterverwerter, die jede überflüssige Kalorie speichern, haben besonders häufig mit dem ungeliebten „Matratzenphänomen“ zu kämpfen. Die Speicherkapazität von Fettzellen ist enorm: Bei einem entsprechenden Angebot können sie sich um das Hundertfache vergrößern. Sind die vorhandenen Depots gefüllt, reifen neue Fettzellen heran. In den Energie-Reservoiren an Hüfte, Oberschenkeln und Po funktioniert die Fettspeicherung besonders effektiv. Die Bindungsstellen – Rezeptoren – auf den Fettzellen, an denen die Hormone andocken und das Signal zum Einbau oder Abbau von Fetten geben, befinden sich nicht im Gleichgewicht: Es gibt fünfmal mehr Rezeptoren fürs Fettspeichern als fürs Abbauen. Das weibliche Hormon Östrogen, das den Fetteinbau fördert, kann besonders effektiv wirken.


Keine Crash-Diäten
Ausgewogene Ernährung, Sport, Hautpflege und Massage können – regelmäßig angewendet – Cellulite verringern. Auch wenn die „Orangenhaut“ nicht direkt mit Übergewicht zu tun hat, lohnt es sich, auf die Ernährung zu achten. Wer ausgewogen – nicht zu fettreich, nicht zu süß – isst, liefert den gierigen Speicherzellen auch wenig zum Einlagern. Von Crash-Diäten raten Ernährungsexperten jedoch ab. Ein rascher Gewichtsverlust lässt häufig schlaffe Haut zurück. Und durch Hungern verlorene Pfunde finden sich in der Regel schnell wieder auf den Hüften.


Sport und Bewegung helfen doppelt
Gymnastik, Radfahren, Schwimmen oder Wandern verbrauchen Kalorien, trainieren die Muskulatur und halten das Bindegewebe in Form. Regelmäßige Massage fördert die Durchblutung und regt den Rückfluss der Lymphe an: Täglich zehn Minuten sanft kreisend streichen und zupfen – am besten mit einem guten Pflegeöl oder einer straffenden Lotion – verbessert das Hautbild. Praktisch sind auch Noppenbürsten fürs Duschbad. Stimulierende Zusätze wie Efeu- und Mäusedorn verstärken den Effekt.


Fettzellen im Visier
Moderne Kosmetika zielen direkt auf die Fettzellen. Sie versuchen, die Fetteinlagerung zu bremsen, den Abbau zu beschleunigen und die Fettzellen zu verkleinern. Substanzen wie Diclucosyn sowie die Pflanzenwirkstoffe Rutin und Phloridzin sollen verhindern, dass Traubenzucker – Glukose – in die Fettzellen gelangt und dort als Fett eingebaut wird. Koffein und Koffeinsalze setzen Kosmetikhersteller ein, um den Fettabbau zu beschleunigen. Ähnliche Eigenschaften werden Auszügen aus Ginkgo und Rosskastanie nachgesagt. Andere Wirkstoffe sollen die Bindungsstellen für die Fettspeicherung blockieren. So interessant diese Ansätze klingen: Sicherlich kann keines dieser Mittel allein die Fettpölsterchen zum Schmelzen bringen. Vor allem ersparen Kosmetika nicht, auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie regelmäßige Bewegung zu achten – zwei Gesundheits- und Schönheitsregeln, von denen nicht nur Frauen in ihrem alljährlich wiederkehrenden Kampf mit den ungeliebten Hautdellen profitieren.


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Stand: 27.11.2003 Impressum