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Vorbeugend gegen Herzinfarkt und Schlaganfall: Folsäure und B-Vitamine

 

 

 

Folsäure und B-Vitamine
 

Das unterschätzte Vitamin: Studien aus den USA, Salzburg und Graz weisen nach, dass Folsäure den gefährlichen Gefäßverengungen entgegenwirken kann.

Die klassischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Rauchen, erhöhte Cholesterinwerte und Bluthochdruck bekommen immer mehr Zuwachs: Der 'Übeltäter' heißt Homocystein. Studien haben bereits vor Jahren gezeigt, dass hohe Konzentrationen dieses körpereigenen Stoffs im Blut das Herzinfarktrisiko erhöhen können. Die gute Nachricht aus der Forschung: Eine ausreichende Versorgung mit Folsäure und den Vitaminen B6, B12 kann den Homocysteinspiegel senken und so vor einem Infarkt und Schlaganfall schützen. Erhärtet wurde die Theorie bereits durch ein Ergebnis aus der amerikanischen „Nurses Health Study“: Seit 1976 verfolgten US-Wissenschaftler den Gesundheitsstand von 80000 Krankenschwestern im Alter zwischen 30 und 55 Jahren. Seit 1980 befragten sie die Studienteilnehmerinnen auch ausführlich zu ihren Ernährungsgewohnheiten und verglichen sie mit dem Infarktrisiko. Das Ergebnis: Die Frauen, die am meisten Folsäure und Vitamin B6 aufnahmen – sei es durch ihre Ernährung oder durch Vitaminpräparate – hatten ein nur halb so hohes Infarktrisiko wie die Gruppe, die sich am wenigsten mit diesen Vitaminen versorgte.

Wie werden die B-Vitamine, einschließlich Folsäure, zur Waffe gegen Herzinfarkt und Schlaganfall?
Homocystein ist ein Zwischenprodukt des Eiweißstoffwechsels. Es bildet sich unter anderem bei der Verdauung von Fleisch, Wurst und Käse. Es entsteht aus der Aminosäure Methionin und muss in sie zurückverwandelt werden. Wenn dieses 'Recycling' nicht funktioniert, steigt der Homocystein-Spiegel an. Die Enzyme, die das Recycling erledigen, sind auf die Mithilfe von Folsäure sowie Vitamin B6 und B12 angewiesen. Hat der Körper zuwenig dieser Vitamine zur Verfügung, sammelt sich das Homocystein im Blut an. Hoch konzentriert kann es die inneren Wände der Arterien zusätzlich schädigen, so dass sich dort leichter LDL-Cholesterin anlagern kann – der erste Schritt zur Arteriosklerose und damit zum Infarkt. Zudem soll Homocystein die Blutgerinnung so beeinflussen können, dass die Blutplättchen leichter verklumpen und sich Blutgerinnsel bilden. Den direkten Nachweis, dass ein erhöhter Homocysteinspiegel die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern kann, erbrachte unter anderem eine Forschergruppe der Haukeland Universitätsklinik Bergen in Norwegen. Studienteilnehmer waren 587 Patienten, bei denen nach einem Herzinfarkt ein verschlossenes Herzkranzgefäß chirurgisch wieder geöffnet worden war. Von den Patienten mit stark erhöhtem Homocysteinspiegel starben in den folgenden fünf Jahren 20 Prozent an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Bei der Patientengruppe mit den niedrigsten Homocysteinwerten lag die Sterblichkeitsrate bei nur vier Prozent. Eine Studie an der Universität von Washington unter Dr. Stephen M. Schwartz zeigt noch einen weiteren Aspekt. Der Wissenschaftler untersuchte die Blutproben von 79 Frauen, die zwischen 1991 und 1995 einen Herzinfarkt erlitten hatten. Zum Vergleich diente ihm eine Kontrollgruppe von 386 Frauen mit gleicher Altersstruktur, aber ohne Herz Kreislauf-Erkrankungen. Dabei stellte er nicht nur fest, dass Frauen mit hohen Homocysteinwerten ein erheblich größeres Herzinfarktrisiko hatten. Die Studie zeigt auch, dass Menschen mit einer genetisch bedingten Veränderung in einem bestimmten Enzym (MTHFR) im Durchschnitt um 25 Prozent höhere Homocysteinwerte hatten als die Versuchsteilnehmer ohne diese Genmutation. Die Abkürzung MTHFR bezeichnet ein Enzym, das beim Recycling von Homocystein zu Methionin eine wichtige Rolle spielt. Durch die Mutation wird das Enzym weniger aktiv, und der Homocysteinspiegel steigt. Allerdings zeigte die Studie auch, dass die Träger der Mutation dennoch niedrige Homocysteinspiegel hatten, wenn zugleich der Folsäurespiegel im Blut hoch genug war. Zurzeit laufen Studien, die den Vorbeugemöglichkeiten von B- Vitaminen und Folsäure gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter auf den Grundgehen. Mit weiteren Ergebnissen ist im Jahr 2005 zu rechnen.

Dass B-Vitamine und Folsäure den Homocysteinspiegel senken können, hält auch der deutsche Vitaminforscher Professor Klaus Pietrzik vom Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Bonn für bewiesen. Megadosen an Vitaminen sind dazu allerdings nicht notwendig. ,,Man wäre ausreichend mit B Vitaminen und Folsäure versorgt, wenn man sich an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung halten würde.“ Laut DGE sind das für einen Erwachsenen pro Tag 1,6 bis 2,6 Milligramm Vitamin B6, 3 bis 4 Mikrogramm Vitamin B12 und 150 bis 300 Mikrogramm Folsäure. Der Vitaminforscher weiß allerdings auch, dass viele Menschen diese tägliche Mindestmenge speziell an Folsäure durch Obst und Gemüse allein nicht erreichen, vor allem ältere Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden kommen kaum auf die empfohlene tägliche Mindestmenge. Folsäure ist vor allem in grünen Blattsalaten zu finden. Aber auch in Brokkoli, Tomaten, oder Bananen sowie allen Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Durch lange Lagerzeiten oder falsche Essenszubereitung kann das licht- und temperaturempfindliche Vitamin jedoch verloren gehen. Pietrzik hält deshalb bei Risikogruppen eine zusätzliche Versorgung mit entsprechenden Vitaminpräparaten aus der Apotheke für sinnvoll. Dazu zählt er neben alten Menschen vor allem Personen mit einseitiger Ernährung, Raucher und Menschen, die viel Alkohol trinken.


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Stand: 21.01.2008 Impressum