Penicillin

Penicillin
75 Jahre Penicillin (2003)
Rückblick auf eine Revolution: mit Alexander Flemings Penicillin konnten
schwere Krankheiten endlich schnell und effektiv therapiert werden – und das
gilt heute noch
Vor 75 Jahren begann ein neues Kapitel der medikamentösen Behandlung. Am 3.
September 1928 findet der Forscher Alexander Fleming in seinem Labor eine Überraschung
vor. Schimmel hatte sich auf seiner Bakterienanzuchtschale breit gemacht.
Normalerweise hätte er die Anzuchtschalen wohl weggeworfen. Mit dem blau-grünen
Schimmelüberzug waren sie eigentlich völlig unbrauchbar. Doch eine Kleinigkeit
ließ den schottischen Bakteriologen an diesem Morgen genauer hinsehen: Überall
dort, wo sich der Schimmelpilz Penicillium notatum niedergelassen hatte,
befanden sich helle Ringe, also bakterienfreie Zonen.
Geburtsstunde des ersten Antibiotikums: ein Schimmelpilz produziert
Penicillin
Für Fleming war klar: Der Pilz muss einen Stoff produzieren, der gegen
die Bakterien wirkt. Auf dieser Erkenntnis aufbauend intensivierte er seine
Forschungen und gewann zunächst aus Schimmelpilzkolonien einen Stoff, den er
von Anfang an Penicillin nannte. Doch der Extrakt war nicht besonders stabil und
konnte vorerst nur zur oberflächlichen Wunddesinfektion verwendet werden. Außerdem
war die Ausbeute an wirksamen Bestandteilen nur sehr gering.
Daher verschwand die Entdeckung Flemings zunächst in der Schublade.
Zweite Geburtsstunde: Penicillin wurde für die Behandlung von Soldaten
weiterentwickelt
Erst rund zehn Jahre später erinnerten sich die Briten Chain und Florey daran
und begannen mit gezielten Forschungsarbeiten. In den USA wurden ab dem Jahr
1941 erstmals große Mengen Penicillin hergestellt – der Bedarf der
amerikanischen Streitkräfte war durch den Zweiten Weltkrieg besonders hoch. Das
war der Beginn der modernen Antibiotikatherapie. Noch bis heute ist das damals
gewonnene Penicillin G im Einsatz.
Immer noch aktuell: Penicilline gegen gefährliche Krankheiten
Auch heute ist Penicillin nicht aus den Kliniken wegzudenken: Zahlreiche
Weiterentwicklungen sorgten dafür, dass bislang Millionen von Menschen von
teilweise hoch gefährlichen Krankheiten geheilt werden konnten. Penicillin V,
Amoxicillin, Flucloxacillin, Mezlocillin heißen die modernen Penicilline, mit
denen die meisten bakteriellen Erreger heutzutage bekämpft werden können.
Atemwegsinfekte, Scharlach, Diphtherie oder die Geschlechtskrankheit Syphilis
werden auch heute noch damit behandelt.
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien
Viele Menschen haben Angst, Penicillin oder andere Antibiotika
einzunehmen. Sie glauben, dass ihr Organismus in Mitleidenschaft gezogen wird.
Das ist so nicht richtig, denn Antibiotika richten sich nur gegen Bakterien,
indem sie verhindern, dass diese stabile Zellwände ausbilden können, oder in
ihren Stoffwechsel oder die Erbsubstanz eingreifen. Die Erreger können dann
nicht mehr wachsen und sich vermehren. Für menschliche Zellen ist der Wirkstoff
ungiftig. Dennoch dürfen Penicilline – wie auch andere antibiotisch
wirksame Arzneimittel – nicht ohne Bedacht eingenommen werden: Bei zu häufiger
Einnahme entwickelt nämlich ein Teil der Bakterien Mechanismen, die sie den
Angriff der Antibiotika unbeschadet überstehen lassen. Dramatische Folge: Das
Medikament bleibt wirkungslos.
Häufiger Einnahmefehler: zu frühes Absetzen
Im Fall einer bakteriellen Infektion darf das Präparat auch nicht zu früh
abgesetzt werden. Übrig gebliebene Keime könnten sich sonst schnell wieder
vermehren und zu einer schwer behandelbaren Erkrankung führen.
Sinnlos und gefährlich: Einsatz bei grippalem Infekt
Resistenzen gegen Penicilline sind in der letzten Zeit verstärkt zu
verzeichnen, was vor allem auf zu häufige und falsche Anwendung von Antibiotika
zurückzuführen ist. So werden beispielsweise oft auch Virusinfektionen wie
grippale Infekte mit Antibiotika therapiert. Sinnlos, denn aufgrund ihrer
Bauweise sind Viren nicht anfällig gegen Antibiotika. Zudem werden die Präparate
oft nicht richtig dosiert.
Wermutstropfen: Auch die nützliche Darmflora wird zerstört
Penicillin tötet nicht nur die krank machenden Bakterien ab, sondern
erwischt auch die harmlosen und nützlichen Darmbakterien. Das ist der Grund dafür,
dass bei vielen Menschen die Antibiotikatherapie von Durchfall begleitet ist.
Dann kann eine unterstützende Regeneration der notwendigen Darmflora mit Hilfe
von Hefe- und Bakterienpräparaten sinnvoll sein. So wird das Gleichgewicht mit
anderen Darmbakterien wiederhergestellt.
Weltruhm, Adel und Nobelpreis
Fleming wurde für seine Entdeckung geadelt und wurde berühmt. Den
Wirkstoff Penicillin in reiner Form und größerer Menge herzustellen und zu
einem wirksamen und breit einsetzbaren Medikament zu machen, das schafften erst
seine Kollegen, die Wissenschaftler Ernst Boris Chain und Howard Florey.
Zusammen mit Sir Fleming teilten sie sich 1945 den Nobelpreis für Medizin.
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